Tyler Mabry und Harlow Phillips, besser bekannt als „hey, nothing“, bringen frischen Wind ins Folk-Rock-Genre. Das gelingt ihnen dank Tracks der Sorte „i haunt your dreams“, „Maine“, „Like a Brother“ oder „Too Drunk to Drive“. Aufgrund der persönlichen und bewegenden Lyrics wird die Musik des Duos gerne als Emo-Folk beschrieben. Jene Lyrics unterlegen die Newcomer mit einem angenehm ungeschliffenen Sound, der die puren Emotionen der Songtexte adäquat widerspiegelt – mal sanft, mal mit ordentlich Power. Wie das klingt, offenbart das Debütalbum „We’re Starting to Look Like Each Other“, mit dem hey, nothing Fans wie Kritiker begeistern konnten.
Abgesehen von musikalischem Talent und Kreativität, liegt das Geheimnis des Erfolgs von hey, nothing sicher auch in der intensiven Freundschaft, die Tyler Mabry und Harlow Phillips verbindet. Die besondere Chemie zwischen ihnen ist hör- und spürbar. Aus Athens im US-Bundesstaat Georgia stammend, wachsen die beiden in fußläufiger Entfernung voneinander auf und gehen gemeinsam zur Schule. Die Koordinaten des Parks, in dem sie das erste Mal gemeinsam Musik machen, tragen beide heute als Tattoos auf ihren Körpern. Mabry startete hey, nothing als Solo-Projekt im Alter von 14 oder 15 Jahren, wie er in einem Interview zu Protokoll gibt. Später holt er Phillips ins Boot.
Von den ersten Singles bis zu „We’re Starting to Look Like Each Other“
Die ersten Singles, etwa „Party Brain“ erscheinen 2021 – und der Kreis der Hörerschaft wächst. Im Jahr darauf dürfen sich hey, nothing dank des Bangers „i haunt your dreams“ über gesteigerte Aufmerksamkeit freuen. Während der darauffolgenden Monate kommen weitere Singles heraus, darunter „Too Drunk to Drive“, „Like a Brother“ und „Flora“, welche sich Ende Oktober 2023 auf dem ersten Longplayer „We’re Starting to Look Like Each Other“ wiederfinden. 2024 machen hey, nothing auf demselben hohen Niveau weiter, was ihnen die Ehre einer Audiotree-Live-Session einbringt. Dort geben sie unter anderem die Songs „The Sink“, „Maine“ und „Timeline“ zum Besten. Der Auftritt ist nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert, denn der Humor und die tiefe musikalische und persönliche Verbundenheit der Freunde sind dabei allgegenwärtig.
Während beide in der Band singen, spielt Mabry Gitarre und Phillips wechselt zwischen Gitarre, Ukulele und Percussion. Der zweistimmige Gesang und das perfekte Zusammenspiel der zwei doch sehr unterschiedlichen Stimmen prägen die Musik von hey, nothing entscheidend. Mabry besitzt eine variable, manchmal raue Stimme; Phillips zeichnet für die höheren, oft besonders gefühlvollen Gesangsparts verantwortlich. Ob sie gemeinsam singen oder solo – beiden gelingt es, auf eindringliche Weise Emotionen zu transportieren. Das ist berührend und mitunter auch traurig, etwa wenn die Lyrics von Themen wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch erzählen, wie in „The Sink“, oder von Trennungsschmerz, wie es in „Maine“ der Fall ist. Doch es gibt auch unbeschwertere Songs, darunter „Too Drunk to Drive“. So vermag die Musik von hey, nothing ihre Hörer ebenso zum Lächeln wie zum Weinen zu bringen.
Die Melodien und Hooks, die cleveren, ausdrucksstarken Lyrics und die rohen Emotionen – all das ist umso bemerkenswerter angesichts des jungen Alters der beiden hey, nothing-Mitglieder. Nach einem gelungenen Start und einem starken Debütalbum darf man gespannt sein, was es von hey, nothing in Zukunft noch zu hören geben wird.