Zum 200. Todestag Ludwig van Beethovens richtet das Gewandhaus Leipzig 2027 ein Festival von internationaler Strahlkraft aus: mit sämtlichen Sinfonien, Weltstars wie Lang Lang, Igor Levit und Leonidas Kavakos, einer außergewöhnlich besetzten Kammermusikreihe, einer Neufassung des »Egmont« und Projekten, die Beethovens Musik ins Heute weiterdenken.
Im Jahr 2027 blickt die Musikwelt nach Leipzig: Anlässlich des 200. Todestages von Ludwig van Beethoven veranstaltet das Gewandhaus ein Musikfestival, das Beethoven nicht als Denkmal feiert, sondern als radikal gegenwärtigen Künstler und als lebendige Inspirationsquelle für heutige Künstlerinnen und Künstler.
Das Festival beginnt daher mit einem Paukenschlag: Beethovens Schauspielmusik zu Goethes Egmont in einer neuen Textfassung des renommierten Autors Michael Lentz (Auftragswerk des Gewandhausorchesters). Das eminent politische Bühnenwerk handelt von Unterdrückung, Freiheitskampf und der Unbeugsamkeit des Individuums gegenüber autoritärer Macht. Vor dem Hintergrund aktueller globaler Konflikte, gesellschaftlicher Spannungen und demokratischer Bewährungsproben gewinnt dieser Stoff in der Neufassung von Michael Lentz eine besondere Dringlichkeit. Als Sprecher konnte hierfür der international renommierte Theater- und Filmschauspieler Tobias Moretti gewonnen werden.
Neben der Neufassung des Egmont-Textes wartet das Festival mit einer weiteren Uraufführung im Auftrag des Gewandhausorchesters auf: Jörg Widmann nimmt Beethovens spätes Fragment einer »Ouvertüre über B-A-CH « zur Grundlage eines neuen Orchesterwerkes. Dass sich Beethoven mit Bach beschäftigt hat, kann sicher als ein Zeichen der Verehrung verstanden werden. Widmann führt nun die Linie musikalischer Traditionen mit heutigen Mitteln in die Gegenwart fort – als zeitgenössischen Dialog zwischen Bach, Beethoven und unserer Zeit
Das Festival gliedert sich in drei große Säulen: die Aufführung der Sinfonien und zentraler Instrumentalkonzerte mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons und mit international gefeierten Solistinnen und Solisten; eine herausragend besetzte Kammermusikreihe; sowie Projekte, die Beethovens Musik neu befragen und zeitgenössisch weiterdenken. Dabei spannt das Programm einen Bogen von historisch gewachsenen Interpretationslinien bis hin zu Crossover-Formaten, Jazz und elektronischen Perspektiven.
Eine besondere historische Dimension erhält das Festival durch die enge Verbindung Beethovens mit dem Gewandhausorchester: Es war das erste Orchester weltweit, das alle Beethoven-Sinfonien noch zu Lebzeiten des Komponisten als Zyklus aufführte. An diese Tradition knüpft das Festival an.
Die 9. Sinfonie erklingt dabei in unterschiedlichen Kontexten: vor dem Festival beim traditionellen Openair-Konzert des Gewandhausorchesters »Klassik airleben«, bei dem diesmal ganz Leipzig zum Mitsingen des Schlusschors eingeladen ist, sowie am 1. Januar 2027 als festliches Neujahrskonzert. Im Rahmen des Festivals wird die Sinfonie dann in einem Teilhabeprojekt mit dem Stegreif Orchester und darüber hinaus in einer Fassung für Soli, Chor, zwei Klaviere und Pauke aufgeführt (in Anlehnung an die Bearbeitung Franz Liszts), u. a. mit dem GewandhausChor und dem renommierten Klavierduo Pavel Kolesnikov & Samson Tsoy.
Neben den Sinfonien stehen auch jene Werke im Fokus, die das Gewandhausorchester uraufgeführt hat, darunter das Tripelkonzert C-Dur op. 56 für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester, sowie das 5. Klavierkonzert in Es-Dur op. 73.
Zu den Mitwirkenden des Festivals zählen unter anderem Lang Lang, Leonidas Kavakos, Igor Levit, Pablo Ferrández, Anna Prohaska, Julia Fischer, Michael Wollny, das Stegreif Orchester, das Gewandhaus-Oktett sowie das Gewandhaus-Quartett, das sämtliche Streichquartette Beethovens aufführen wird. Dabei dürfte der Generationenblick besonders spannend werden: In verjüngter Besetzung – mit dem Primarius als verbindendem Element – begegnet eine neue Musikergeneration Beethovens radikalem Erbe.
Das Beethoven-Festival 2027 versteht sich als künstlerisches Statement: für die Kraft der Tradition, für die Offenheit des Gewandhauses und für einen Beethoven, dessen Musik auch 200 Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer politischen und gesellschaftlichen Sprengkraft verloren hat.