Seit mehr als 30 Jahren zählt Tori Amos zu den außergewöhnlichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihre Stimme und ein Piano – mehr braucht die Singer-Songwriterin nicht für ihre unglaublich intensive Musik. Ihre Art zu singen und zu spielen ist schlicht einzigartig. Ein Tori-Amos-Song lässt sich beim ersten Hören sofort als solcher identifizieren. Über ihre langjährige Karriere hat sie, meist im Ein-bis-zwei-Jahrestakt, zahlreiche Studioalben veröffentlicht, von „Little Earthquakes“ (1992) und „From the Choirgirl Hotel“ (1998) über „Scarlet’s Walk“ (2002) und „American Doll Posse“ (2007) bis hin zu „Native Invader“ (2017) und „Ocean to Ocean“ (2021).
„Crucify“, „Cornflake Girl“ und „Professional Widow (It’s Got to Be Big)“ zählen hierzulande zu den größten Hits der US-Sängerin, die seit Anbeginn ihrer Karriere insbesondere auch in ihrer Wahlheimat UK große Erfolge feiert (außer in Cornwall lebt sie auch im sonnigen Florida). Doch wer in das musikalische Universum der Tori Amos eintauchen möchte, wird sich die Alben immer in voller Länge anhören. Schon mit ihrem Debütalbum „Little Earthquakes“ erreicht sie viele Hörer, begeistert Musikkritiker und erntet Gold- und Platinauszeichnungen. Wenige Jahre zuvor waren sie und Matt Sorum, der später bei Guns N’ Roses hinterm Schlagzeug saß, mit dem Projekt „Y Kant Tori Read“ weniger erfolgreich. Doch sobald sie als Solokünstlerin zu sich selbst gefunden hatte, nimmt Tori Amos’ Karriere in den Neunzigerjahren mächtig Fahrt auf.
Tori Amos bewegt die Menschen
Damals wie heute waren und sind Tori Amos’ Songs von sehr persönlicher und extrem leidenschaftlicher Natur. Nicht nur durch ihre höchst eigenständige Musik, sondern auch durch ihre eindringliche Performance und ihr öffentliches Auftreten hebt sich die 1963 in North Carolina geborene Ausnahmekünstlerin vom Mainstream ab. Was sie ferner auszeichnet, ist der Mut, vom Gewohnten abzuweichen und ihre eigenen musikalischen Visionen umzusetzen. So überraschte sie 2009 etwa mit „Midwinter Graces“ – ihre Interpretation eines Weihnachtsalbums. Daran schlossen sich mit „Night Of Hunters“ und dem retrospektiven „Gold Dust“ zwei von Klassik geprägte Werke an, bevor Tori Amos mit „Unrepentant Geraldines“ wieder bekannte musikalische Gefilde ansteuerte.
Tori Amos gelingt der Balanceakt, sich zugleich treu zu bleiben und dennoch wandelbar zu sein. Dass in einer derart umfangreichen Diskografie nicht ein Album wie das nächste klingt, versteht sich von selbst. So kommen Toris Werke mal leicht zugänglich, mal komplex und progressiv daher, wie es etwa bei „Boys for Pele“ der Fall ist. „Ocean to Ocean“, das vom Umgang mit Verlusten erzählt, beweist eindrucksvoll, dass die Singer-Songwriterin es wie eh und je versteht, grandiose Musik zu erschaffen, deren Ursprung tief in ihrer Persönlichkeit liegt. Und es beweist, dass sie noch dieselbe Kraft und Ausstrahlung besitzt wie zu „Under The Pink“-Zeiten. Voller Kraft, Ausstrahlung, Energie und Leidenschaft sind auch ihre Konzerte. Tori Amos ist mit der besonderen Gabe gesegnet, Menschen durch Musik zu bewegen – auf Platte ebenso wie live auf der Bühne.