„Bis zum bitteren Ende” lautet der Schlachtruf der Toten Hosen seit den Achtzigerjahren. Zum Glück ist ein Ende dieser Musiklegende noch lange nicht in Sicht. Die Toten Hosen zählen zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands aller Zeiten. Über Jahrzehnte hinweg versorgen Campino und Co. ihre treuen Fans mit Bandhymnen, Ohrwürmern und Hit-Alben für die Ewigkeit. Eine kleine Auswahl ihrer größten Hits gefällig? Da wären „Eisgekühlter Bommerlunder” „Hier kommt Alex”, „Sascha … ein aufrechter Deutscher”, „Wünsch dir was”, „Alles aus Liebe”, „Bonnie & Clyde”, „Zehn kleine Jägermeister”, „Pushed Again”, „Bayern”, „Strom”, „Tage wie diese” (der Mega-Ohrwurm des Jahres 2012!), „Altes Fieber”, „Unter den Wolken” – und noch so viele weitere.
1982 stehen fünf junge Düsseldorfer in den Startlöchern und erklären lauthals „Wir sind bereit”. Sie hören auf die Namen Campino (Andreas Frege, Gesang), Breiti (Michael Breitkopf, Gitarre), Kuddel (Andreas von Holst), Andi (Andreas Meurer, Bass) und Trini Trimpop (Schlagzeug bis 1985; anschließend übernahm kurzzeitig Jakob Keusen und 1986 „Wölli” Wolfgang Rohde, der 1998 wiederum durch Vom Ritchie ersetzt wurde). Gepackt vom „Reisefieber” machen sich die Jungs umgehend daran, sich ihren Status als erstklassige Liveband zu erspielen. Den Auftakt für zahllose folgende Gigs bildet ein Konzert im Schlachthof in Bremen.
Gerade zu Beginn ist die Musik der Toten Hosen dem Punkrock der Siebzigerjahre zuzuordnen: laut, rotzig und aus drei Akkorden bestehend. Auch wenn sich der Stil mit der Zeit gewandelt hat und sich heute eher als Rockmusik mit Punk-Elementen präsentiert, bleiben die Hosen für immer im Punk verwurzelt. Der Sound des Debütalbums „Opel-Gang” (1983) ist jedenfalls astreiner Punk – sehr zur Freude der Szene, die Die Toten Hosen von Anfang an feiert. 1984 legen die Altbier-Punks mit „Unter falscher Flagge” nach. Zwei Jahre später, beim dritten Album „Damenwahl”, trommelt Wölli Rohde, der den Hosen bis 1999 treu bleiben wird.
Mit „Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen” geht 1987 richtig die Post ab. Das Album besteht aus punkigen Coverversionen bekannter Schlager wie „Im Wagen vor mir”, „Alle Mädchen wollen küssen” oder „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini” und verhilft den Düsseldorfern zu ihrem ersten Charterfolg. Ebenfalls sehr erfolgreich ist das Live-Album „Bis zum bitteren Ende”. Der vollständige Durchbruch erfolgt schließlich mit dem „A Clockwork Orange”-Konzeptalbum „Ein kleines bisschen Horrorschau”. Die Scheibe erreicht Platz #3 der Charts, „Hier kommt Alex” wird zum gefeierten Mitsing-Hit und Die Toten Hosen kennt von nun an wohl jeder im Land.
„Auf dem Kreuzzug ins Glück” läutet die Neunzigerjahre ein – und das mit Pauken und Trompeten: Es ist das erste Nummer-Eins-Album der Toten Hosen. „Azzurro”, die Punk-Version des Schlagers von Adriano Celentano, und „Alles wird gut” positionieren sich in den Single-Charts. Im Laufe ihrer Musikkarriere landen Die Toten Hosen bis dato noch neun weitere Nummer-Eins-Alben, nämlich „Kauf mich!” (1993), „Opium fürs Volk” (1996), „Unsterblich” (1999), „Auswärtsspiel” (2002), „Zurück zum Glück” (2004), „In aller Stille” (2008), „Ballast der Republik” (2012), „Der Krach der Republik” (Live-Album, 2013) und „Laune der Natur” (2017). Hinzu kommen die Top-10-Alben „Reich & sexy” (1993), „Im Auftrag des Herrn” (1996), „Wir warten aufs Christkind” (Weihnachtsalbum der Roten Rosen, 1998), „Reich & sexy II (Best-of-Album, 2002), „Nur zu Besuch („MTV Unplugged”-Konzert, 2005), „Machmalauter Live” (2009) und „Entartete Musik – Willkommen in Deutschland” (Konzert mit dem Sinfonieorchester der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule, 2015).
Insgesamt bringen es Die Toten Hosen inzwischen auf sechzehn Studioalben, sieben Kompilationen und sechs Live-Alben. Dass es bei derart vielen Charterfolgen und über 14 Millionen verkauften Tonträgern Gold und Platin sowie diverse Auszeichnungen hagelt, versteht sich von selbst. Übrigens beschränkt sich der Erfolg nicht auf den deutschsprachigen Raum; auch in Südamerika, besonders in Argentinien, gibt es viele Hosen-Anhänger. Campino, Breiti, Kuddel, Andi und Vom Ritchie danken diesen nicht nur mit regelmäßigen Besuchen, sie veröffentlichten 2009 mit „La hermandad – En el principio fue el ruido” sogar ein ganzes Album eigens für ihre argentinischen Fans.
Für die Texte der Toten Hosen ist vorwiegend Campino zuständig. Wie im Punkrock üblich, geht es darin oft um gesellschaftliche und politische Themen. Dabei positioniert und engagiert sich die Band ganz klar gegen Rassismus und für Tier- und Umweltschutz. Nicht immer geht es aber um ernste Angelegenheiten, auch Fußball- und Trinklieder haben einen festen Platz im Repertoire der Altbier trinkenden Fortuna-Düsseldorf-Fans und sorgen live für ordentlich Stimmung.
Live-Konzerte sind seit jeher die größte Leidenschaft der Band. Hier geben die Jungs alles und bringen jede Halle, jede Arena und jedes noch so große Festivalgelände zum Beben. Wer besonderes Glück hat, erlebt eines ihrer Überraschungskonzerte, einen kleinen Clubgig unter Pseudonym oder ist bei einem unangekündigten Zusatzkonzert vor dem ausverkauften Veranstaltungsort dabei. Derartige Aktionen zeugen von jener Nähe zu den Fans, die Die Toten Hosen nach wie vor auszeichnet und die bei jedem einzelnen Auftritt spürbar ist. Und das möge noch lange so bleiben – „Bis zum bitteren Ende”.