Es gibt viele großartige Bands, die touren sich jahrelang den Allerwertesten ab, veröffentlichen fleißig ein Album nach dem anderen, ohne dass sich der Erfolg einstellt, den sie verdienen – und dann, zack, auf einmal läuft es. Architects aus dem britischen Brighton sind eine solche Band. Heute gehört das Quintett längst zur Speerspitze der internationalen Metal(core)-Szene – ihr 2021er Album „For Those That Wish to Exist” ist gar ein regelrechter Chartstürmer. Für diesen Status haben die Jungs hart gearbeitet und ihre Musik über viele Jahre konsequent weiterentwickelt.
2004 gegründet, veröffentlichen die damaligen Teenager zwei Jahre später ihr Debütalbum „Nightmares”. Beim Nachfolger „Ruin” steht dann schließlich der heutige Architects-Fronter Sam Carter am Mikrofon. Die Briten spielen zu diesem Zeitpunkt lupenreinen Metalcore der technischen Sorte – und finden mit diesem Sound schnell über die Grenzen Großbritanniens hinaus Beachtung. So touren die Metal-Architekten munter durch Europa, die USA und Kanada, zunächst als Support für Szene-Größen, in ihrer Heimat aber schon bald als Headliner.
Erfolg und Verlust
Mit jedem Album wachsen der Bekanntheitsgrad und die Fangemeinde. Auf „Hollow Crown” folgt „The Here and Now” und damit die erste Chartplatzierung in UK. Mit „Daybreaker” und „Lost Forever // Lost Together” geht dann auch international erfolgstechnisch die Post ab. Es sind aber auch turbulente, durch Besetzungs- und Labelwechsel gekennzeichnete Zeiten. Mit „All Our Gods Have Abandoned Us” erreicht die Band den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Und dann trifft sie das Schicksal wie eine Faust ins Gesicht: Gitarrist und Gründungsmitglied Tom Searle verstirbt 2016 mit 28 Jahren an Krebs. Ein herber Schlag, insbesondere für Zwillingsbruder und Architects-Schlagzeuger Dan Searle.
Was machen Musiker mit starken Gefühlen wie Trauer und Abschiedschmerz? Richtig, sie verarbeiten sie, indem sie neue Songs schreiben. „Holy Hell” steht dementsprechend ganz im Zeichen dieses Verlusts. Musikalisch zeigen sich Architects auf ihrem achten Longplayer überraschend experimentierfreudig – ein Weg, den sie auf „For Those That Wish to Exist” fortsetzen. Josh Middleton trägt als neuer Gitarrist sicher seinen Teil zum nun vielseitigeren Post-Metalcore-Sound bei. Lieferten Architects viele Jahre lang verlässlichen Metal- beziehungsweise Mathcore ab, warten jüngere Veröffentlichungen mit einer erstaunlich breiten Klangpalette auf. Zwar gehen die Fünf teilweise immer noch gewohnt brachial zu Werke, wie etwa auf „Black Lungs” zu hören ist, doch spielen sie immer wieder mit elektronischen und nahezu poppigen Klängen.
Starke Texte, starke Live-Shows
Abgesehen von „Holy Hell” präsentieren sich die Architects in ihren mitunter recht düsteren Lyrics seit eh und je gesellschaftskritisch. Die Bandmitglieder engagieren sich ihrerseits für Tier- und Umweltschutz und möchten mit ihren Songtexten auch die Fans zum Nachdenken anregen. So beschäftigt sich „For Those That Wish to Exist” etwa mit dem Klimawandel und der Unfähigkeit der Menschen, ihr Verhalten anzupassen, um ihre eigene Zukunft und die unserer Erde zu sichern. Wichtige Themen also – die dank des großen Erfolgs der Band immer mehr Hörer erreichen.
Dass die Hörerschaft in den letzten Jahren immens gewachsen ist, sieht man nicht nur an den hohen Verkaufs- und Streamingzahlen, sondern auch bei den Live-Shows der Briten – die finden nämlich längst nicht mehr in kleinen Clubs, sondern in großen Hallen statt. Die Jungs legen sich bei jeder Tour mächtig ins Zeug, um den Zuschauern ein unvergessliches Konzerterlebnis zu bescheren. Ihren wuchtigen Sound und die überwältigende Energie, die sie von der Bühne aus transportieren, untermalt die Band mit Pyros und einer amtlichen Lightshow. Und dass das Publikum Songs wie „Doomsday”, „These Colours Don’t Run”, „Naysayer”, „Hereafter”, „Animals” oder „Meteor” ordentlich abfeiert, versteht sich von selbst. Architects live? Muss man gesehen haben!